Gemeinde Aholming Gemeinde Aholming

Archäologische Funde

Archäologie in der Gemeinde Aholming

Aholming ist ein Straßendorf, welches sich entlang des Terrassenrandes der Isar erstreckt. Dieser Terrassenrande zeigt zwischen Niederpöring und Moos-Burgstall deutlich erkennbare Mäander auf, die auf den ursprünglichen Lauf der Isar hinweisen, der sich wahrscheinlich durch ein Katastrophenhochwasser unterhalb von Niederpöring verlegte.

Wir befinden uns hier an der geologischen Trennlinie zwischen dem landwirtschaftlich Intensiv genutzten Südteil der Gemeinde und der großflächigen Isarniederung, durch die trotz wenig günstiger Voraussetzungen die von Landshut kommende römische Straße Richtung Moos-Burgstall verlief.

Aholming rückte erst spät in das Blickfeld der archäologischen Denkmalpflege. So fand eine Ausgrabung im südwestlichen Gemeindegebiet in den Jahre 2011/12 am Westende von Tabertshausen vor dem Bau einer landwirtschaftlichen Halle statt. Die Untersuchungsfläche wies ca. 2800 m2 auf. Es konnten insgesamt 184 archäologische Befunde der Bronze (ca. 2.200 – 1.000 v. Chr.) -, Urnenfelder (ca. 1.00 – 750 v. Chr.) - und Hallstattzeit (ca. 850 – 450 v.Chr.) dokumentiert werden.

Unter den üblichen Siedlungsbefunden und Grubenkomplexen befanden sich Gruben von bis zu 2m Tiefe. Eine davon brachte eine unerwartete Überraschung, nämlich eine Skelett-Verlochung. (Abb.1) Der wahrscheinlich hallstattzeitliche Befund enthielt in einer Tiefe von 1,45 m ein sehr ungewöhnlich orientiertes Skelett einer ca. 21- bis 26-jährige Frau. Diese lag etwa Ost-West orientiert auf dem Rücken. Die Unterschenkel waren abgewinkelt. Der leicht abgewinkelte rechte Arm lag neben dem Körper, während der linke einen am Körper gelegenen Oberarm und einen abgewinkelten Unterarm aufweist, dessen Hand auf der anderen zu liegen kam. Im Bereich Gelenkes der linken Hand befand sich ein schlecht erhaltener eiserner Armring. Der abgetrennt erscheinende Schädel liegt verkippt, der Unterkiefer südöstlich des Schädels. Die anthropologische Untersuchung erbrachte aber keinen Hinweis auf Gewalteinwirkung.

 

Ölgartenweg

 

Hier konnte eine mittelalterliche Siedlung, die im Bereich des ehemaligen Isarlaufs in der Flussaue lag, archäologisch nachgewiesen werden. Dies erfolgte über die Jahre im Zuge von Einzelbaumaßnahmen (Abb.2, 3 und 4).

Abbildung 3 zeigt die Untersuchungsfläche im Bereich Ölgartenweg Nr. 16. Im Zuge dieser archäologischen Maßnahmen gelang auch die Entdeckung einer Gruppe von fünf frühmittelalterlichen Gräbern. Hier waren zwei Männer und drei Frauen bestattet worden.  Aus den ansonsten nur sehr schlicht ausgestatteten oder beigabenlos begrabenen Verstorbenen sticht eine mit reichen Trachtbestandteilen versehene Frau heraus, die goldene Bommelohrringe und silberne Armringe besaß (Abb.5). Die weiteren Gegenstände – es handelt sich um einen Kamm, eine Perlenkette (Abb.6) und eine Riemenzunge – bleiben dagegen im Rahmen des Üblichen. Es stand außer Frage, dass wir es hier mit einer Hofgrablege zu tun hatten732. Die um 700 verstorbene, überdurchschnittlich ausgestattete Frau gehörte zweifellos einer gehobenen Schicht an.

In drei Parzellen wurden Reste hölzerner Brunnenkonstruktionen angetroffen, von denen nur zwei dank ausreichender Erhaltung datierbar waren. Der gute Zustand des Holzes ist der Grundwassernähe des Siedlungsbereiches zu verdanken. Es handelt sich um einen aus Eichenbrettern gezimmerten Kastenbrunnen mit zwei Verschalungen unterschiedlicher Zeitstellung, der im nördlichen Bereich angetroffen wurde (Abb. 7). Die ältere Konstruktion stammt aus den Jahren 1210 bis 1222, die jüngere repräsentiert eine Ausbesserung in den Jahren 1274 bis 1286. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass dieser Brunnenkasten mindestens einmal ausgebessert wurde.

Ein zweiter, in einer der südlichen Grabungsflächen angetroffener Brunnenrest aus Ulmenhölzern konnte durch eine Kombination von 14C-Datierung und Dendrochronologie auf ca. 763 n. Chr. festlegt werden. Er wurde also gut zwei Generationen nach der Belegung der eingangs beschriebenen Gräber gebaut. Weitere Hölzer stammen von einzelnen Pfosten, die nicht mit Brunnen in Verbindung stehen. Einer davon konnte auf ein Fälldatum von 1326±8737 festgelegt werden. Es fällt auf, dass sich alle derzeit bekannten frühmittelalterlichen Befunde in der Südhälfte der bisher untersuchten Fläche befinden, und zwar mit einer Ausdehnung von ca. 30 x 70 m. Unklar bleibt, welche Bevölkerungsgruppe sich die Isaraue zu Füßen von Aholming zur Bewirtschaftung und als Wohnplatz ausgesucht hatte, waren Doch dort die Lebensumstände schwieriger als auf der Hochterrasse mit ihren guten Böden. Zumindest die reich ausgestattete Frau und einige weitere Bestattungen weisen darauf hin, dass es sich nicht um eine mittellose, vielleicht von der übrigen Bevölkerung abgesonderte Gruppe handelte. Die Dauer ihres Aufenthalts ist derzeit nicht genau einzuschätzen. Als Anhaltspunkt kann das aus den Brunnenhölzern gewonnene Datum dienen, und die Grabausstattungen stammen aus der Zeit um 700. Ob diese derzeit zur Verfügung stehenden Grundlagen zur Beurteilung ausreichen, muss sich erst noch zeigen. Sicher ist aber, dass es sich nur um eine temporäre kleine Ansiedlung handeln kann.

 

Literatur zu den frühmittelalterlichen Bestattungen:

 Ch. Lobinger, Hofgrablegen und Separatfriedhöfe des frühen Mittelalters aus dem Isarmündungsgebiet. Grabgruppen der Jüngeren und Späteren Merowingerzeit aus dem Landkreis Deggendorf. Beiträge zur Archäologie in Niederbayern 5.

 

Literatur zur mittelalterlichen Siedlung

K. Schmotz, Die hochmittelalterliche Siedlung in der Isaraue von Aholming, Lkr. Deggendorf.

In: Vorträge des 29.Niederbayerischen Archäologentages 2011, 187 – 210.

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